5 Learnings aus „Das ist Alpha“ von Kollegah

5 Learnings aus „Das ist Alpha“ von Kollegah

Manche Bücher spalten die Gesellschaft schon lange, bevor sie erscheinen. Manche Bücher liest man lieber als E-Book, nicht etwa, weil sie sperrig sind oder schwer. Sondern weil man Gefahr läuft, lesend in der U-Bahn auf verständnislose Weise angesprochen zu werden. „SOWAS liest du???“ kommt wohlgemerkt von Menschen, die das spezielle Buch nicht kennen und auch sonst eher das Dschungelcamp auf RTL frequentieren.

Eines dieser polarisierenden Bücher ist definitiv „Das ist Alpha“ von Kollegah, also known as Felix Blume. Ich habe es dennoch gelesen und stelle euch heute meine Meinung und 5 zentrale Learnings aus diesem Buch vor. Und, um einen kleinen Spoiler gleich am Anfang loszuwerden: Ob ich das Buch als Frau, als Mann oder was auch immer lese, ist vollkommen egal – der Titel ist lediglich Clickbait 😉

22,95 € (gebunden) oder 18,99 € (Kindle) bei AMAZON

256 Seiten

4,7 von 5 Sternen

Worum geht es?

Kollegah ist zweifellos an der Spitze der Nahrungskette in dem, was er tut. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Rapper, hat ein eigenes Fitnessprogramm entwickelt, ein eigenes Plattenlabel gegründet und hat eine Menge Geld mit dem Investieren in Immobilien verdient. Seinen Erfolg führt er insbesondere auf sein Mindset zurück – und um genau das geht es in diesem Buch: Wie du als Leser zum Alpha (Synonyme sind Anführer, Boss, Vorbild, Gewinnertyp) wirst. Dazu gibt es zehn leicht verständliche „Boss Gebote“, inklusive nachvollziehbare Steps, die du nehmen solltest, um das Gebot zu befolgen. „Das ist Alpha“ ist ein mehr oder weniger klassisches Selbsthilfebuch – klassisch in dem Sinne, dass es dem Leser im Grunde das erzählt, was er auch schon weiß – aber mit einer gründlichen Portion Motivation und Arschtritt.

 

Was sind also die 5 Learnings, die mir persönlich am besten gefallen haben?

1. Ich will kein Fridolin sein …

Fridolins sind Theoretiker. Sachen werden nicht angepackt, sondern totdiskutiert. Der Fridolin steckt seine Kraft nicht in das Erreichen
realer persönlicher Ziele. Nein, er bündelt seine gesamte Energie und verwandelt sie mit aller Kraft in maximal effektives und
nervtötendes KLUGSCHEISSEN.

Das hat gesessen. Denn tatsächlich liegt hier meine größte Schwäche, wenn es um das Erreichen meiner finanziellen Ziele geht. Ich bin eine Theoretikerin. Ein Analystin. Ich zerdenke Probleme, fühle mich nie genug vorbereitet, lasse Gelegenheiten verstreichen, weil ich meine, immer noch ein bisschen mehr lernen zu müssen. Im Job bin ich anders, vielleicht, weil es eben nur darum geht; einen Job. Hier gehe ich Herausforderungen an und lerne währenddessen, die Probleme auf dem Weg wegzuräumen. So muss es auch beim Thema Investieren, Gründen, Netzwerken sein. Ich muss mich aktiv bei dem Gedanken erwischen, dass ich doch eigentlich vor meinem ersten Immobilienkauf mindestens ein Buch über Verhandlungsführung gelesen haben sollte, ein Experte in Mietrecht und Steueroptimierung sein sollte. Das ist Unsinn und vielleicht auch ein bisschen ein Thema, das Frauen mehr betrifft als Männer (Stichwort Imposter Syndrom).

Mit jedem Mal, wo du deine Angst überwindest, wächst du ein Stück und beginnst, dir mehr und mehr selbst zuzutrauen. Dieses Prinzip der Affirmation führt dich dazu, immer höhere Ziele selbstbewusst anzupacken. Was gestern noch schwer erschien, ist morgen schon Routine.

2. Luck favours  the  prepared

Du gewöhnst dir ab sofort an, To-do-Liste für jeden Tag zu erstellen und erst dann abends zu chillen, wenn du alle Punkte abgearbeitet hast. ALLE. Ohne schummeln, ohne Ausreden. Bevor du mit einer unerledigten To-do-Liste im Nacken schlafen gehst, haust du dir eher eigenhändig zwei Zähne raus!

Ich glaube, mit diesem Zitat ist bereits alles Wichtige gesagt. Du hast ein Ziel? Dann schreib es auf und brich es in viele viele immer kleiner werdende Meilensteine herunter – so klein, dass sie in einen Tag passen. Diese Miniziele schreibst du auf deine To Do Liste und verfolgst sie gnadenlos (huch, meine Sprache wird so aggressiv …), während du dein Endziel fest im Blick behältst.

3. Netzwerke, oder: Umgib dich mit anderen Bossen

Du hast es bestimmt schon so oft gehört, dass es dir zu den Ohren wieder heraus kommt; du bist die Quintessenz aus den Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst. Also verabschiede dich im Zweifel von toxischen falschen Freunden, die deine Energie stehlen und dich mit sich herunterziehen wollen. Gehe statt dessen aktiv nach draußen, suche dir in Mastermindgruppen, Stammtischen, Unternehmerforen usw. neue Kontakte, um dir ihre guten Eigenschaften abzuschauen und aus ihren Fehlern zu lernen.

4. In einem bosshaften Körper wohnt ein bosshafter Geist

Hier werden die Tipps von Kollegah nun wirklich konkreter und besser anwendbar auf dein tägliches Leben. Um einen gesunden, starken und leistungsfähigen Körper zu bekommen, empfiehlt er seinen Lesern, sich selber mit der Zubereitung von gesundem, frischen Essen auseinanderzusetzen und Kochen nicht als „Weiberkram“ abzutun. Er erachtet es zudem als wichtig, regelmäßig und hart zu trainieren, aber niemals die eigene Gesundheit dabei aufs Spiel zu setzen. Sport, so begründet er etwas laienpsychologisch, sei eben auch wichtig für einen fitten Geist. Auch auf Meditation hält er große Stücke:

Führt man mehrere Firmen und hat ständig neue Projekte am Start wie ich, fällt es schwer, abends abzuschalten, da man viele »Bälle zu jonglieren« hat und ständig voll fokussiert sein muss, damit keiner runterfällt. Die Meditation am Abend hilft mir dabei, alle Gedanken abzuschalten und ruhig zu schlafen. Und gesunder Schlaf ist essenziell, um dauerhaft Hochleistung zu bringen.

5. Werde, wer du sein willst

Du stimmst nicht mit Kollegahs Version eines erfolgreichen und bosshaften Lebens überein? Dein Ziel ist es nicht, im Anzug zum Bäcker zu gehen, sondern du möchtest viel lieber einen erfolgreichen kleinen Demeter-Bauernhof führen? Fein! Auch ich gehe nicht mit allen Punkten konform, die Felix als Teile (s)eines erfolgreichen Lebenswandels betrachtet. Beispielsweise habe ich nicht den Drang, mit so vielen Frauen wie möglich zu schlafen. Der Punkt ist aber: Definiere für dich, wer du werden musst, um deine Ziele zu erreichen – und dann werde so.

Wie finde ich das Buch denn nun?

Kollegahs „Das ist Alpha“ ist ein Selbsthilfe-Rundumschlag. Die Betonung hier liegt auf „Schlag“, denn der gute Felix schafft es wirklich, den Motivationsaspekt eines guten Selbsthilfebuches zu bedienen. Ein emotionaler Aha-Moment reiht sich an den nächsten – was natürlich auch an der einfachen, lautmalerischen Sprache liegt. Wenn man weiß, wie man solche Bücher zu packen hat (nicht alles zu ernst nehmen und daran denken, dass nicht jeder Punkt 1:1 übernmmen werden muss, sondern es durchaus Schattierungen der Bosshaftigkeit gibt), der hat hiermit bestimmt Spaß und einige lehrreiche Momente. Und wenn das nur bedeutet, sich seine eigenen 10 Boss Gebote zu schreiben.

Die Sache mit den Frauen …

Zum Schluss würde ich gerne noch das vieldiskutierte Thema der Frauenfeindlichkeit in Kollegahs Buch ansprechen. Hier beziehe ich mich auch wirklich nur auf das Buch, da ich mit seiner Musik nun wirklich nichts am Hut habe. In seinem Buch richtet sich Kollegah primär an Jungs und Männer. Es stimmt, dass er, wenn überhaupt, nur selten die Möglichkeit anspricht, dass Frauen Interesse an seinem Geschreibsel hätten (warum eigentlich nicht? Eine Menge Frauen reißen gerade erfolgreich gläserne Decken ein, um „Boss“ zu werden). Wenn Frauen im Buch positiv erwähnt werden, dann, weil sie laut Kollegah bosshafte Attribute zeigen, sich einsetzen, durchbeißen und Charakter zeigen. Negativ erwähnt werden „die Bitches“, womit Frauen gemeint sind, die mit vollem Körpereinsatz versuchen, einen reichen Mann zu finden, um möglichst wenig selber auf die Beine stellen zu müssen. Ich persönlich bin gedanklich ganz weit weg vom „slut shaming“, weshalb Sätze wie der folgende mich immer etwas ratlos machen:

Eine sexy Frau, die dir im Taxi einen bläst, verdient wohl kaum, dass du ihr ein Apartment kaufst.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun, lieber Felix? Ist eine Frau nur dann wertvoll und bosshaft, wenn sie ihre Sexualität so auslebt, wie du es für richtig hältst? Wäre es nicht bosshafter, einen Scheiß darauf zu geben, was du denkst – und einfach zu tun, wozu man Lust hat?

Abseits davon stimmen Felix und ich darin überein, dass jeder (gesunde und geistig fitte) Mensch dafür Sorge zu tragen hat, dass er oder sie auch alleine durchs Leben kommt. Die Damen, die sich von einem Mann aushalten lassen und keinen Finger krumm machen wollen, finde ich also auch zum Kotzen. Interessant finde ich allerdings wiederum die Scheinheiligkeit einiger männlicher Blogger-Kollegen, die sich höchst empört über das Frauenbild im Buch auslassen, um dann ihren Blogartikel ungefähr so zu benennen: „Nur für Männer! Kollegahs Buch…“ – Ähh no Sir, ich lese was ich will und brauche keine Beschützer, die meinen zarten Geist vor dem geschriebenen Wort bewahren wollen.

In diesem Sinne: Lest doch, was ihr wollt!

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