Privatier werden – (wie) geht das?

Privatier werden – (wie) geht das?

Es ist wohl der Traumjob, den die meisten von uns (zumindest, wenn du diesen Blog liest) haben, aber nur selten benennen können. Privatier.

Mami, wenn ich groß bin, möchte ich Privatière werden!

Okay, so haben es wohl nur die wenigsten Kinder artikuliert. Aber Aussagen wie: „Ich möchte Meeresbiologe werden!“ oder „Wenn ich groß bin, werde ich Filmstar!“ tragen die Gemeinsamkeit in sich, das tun zu können, worauf man gerade Lust hat und dabei finanziell abgesichert zu sein.

Aber gehen wir mal einen Schritt zurück und schauen uns die Definition des Wortes Privatier an. Wikipedia sagt: Als Privatier, auch Privatus und weiblich Privata bzw. Privatière, gilt allgemein eine Person, die finanziell so gut gestellt ist, dass sie nicht darauf angewiesen ist, zur Deckung ihrer materiellen Bedürfnisse einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, unabhängig davon, wie sie zu dem Vermögen gekommen ist. Der Privatier bezieht keine Unterstützung vom Staat und bezahlt sämtliche Steuern und sonstige Abgaben selbst.

Es geht hier also darum, den eigenen Lebensunterhalt gänzlich aus dem Vermögen zu bestreiten, ohne unternehmerische, selbstständige oder Lohnarbeit. Wir reden hier also von der passivsten Form von Einkommen, nämlich vom Einkommen aus Kapitalerträgen, Unternehmensanteilen, fremdverwalteten Immobilien, Zinsen, Dividenden oder indem man das vorhandene Vermögen aufzehrt.

 

 

Wie viel Vermögen brauchst du dazu?

Lass mich das sprichwörtliche Pferd einmal von hinten aufzäumen. Vielleicht bist du gerade angestellt bei einer Firma und bekommst einen gewissen monatlichen Bruttolohn. Du lebst verhältnismäßig sparsam und kommst ausgezeichnet über die Runden, kannst alle deine Kosten bestreiten, ab und zu in Urlaub fahren und auch noch Geld zum Sparen zurücklegen. Gehen wir einfach einmal davon aus, dass du 3400,00 € monatlichen Bruttolohn erhältst, was einem jährlichen Bruttolohn von 40.800,00 € entspricht.

Brutto ist nicht gleich netto …

… wirfst du zu Recht ein. Stimmt. Von deinem Lohn als Arbeitnehmer geht eine Menge Geld direkt an den Fiskus. Rund 7.000 € Steuern und 8.200 € Sozialabgaben, wenn du wie ich keine Kinder hast (gesegnet seien die Götter) und unverheiratet bist. 500 € kannst du noch sparen, wenn du aus der Kirche austrittst, viel mehr ist aber an der Lohnsteuer nicht zu rütteln. Ca. 37,63 % deines Einkommens gehen in dieser Rechnung direkt an den Staat.

Anders sieht es aus, wenn du keine Lohnsteuer sondern Kapitalertragssteuer zahlst.

Die Kapitalertragssteuer liegt hierzulande aktuell bei ca. 28 % mit Kirchensteuer, 26 % ohne Kirchensteuer. Bei dem obigen Beispiel bleibend würde die Berechnung also so aussehen:

Nur mal so nebenbei: Malta ist eine wirklich schöne, sonnige Insel (15% Steuer auf Zinsen, 0% auf Dividenden und Kurserträge) und Griechenland hat ebenfalls wundervolle Strände und günstige Immobilien. Ich will niemanden zur legalen Steuerflucht aufrufen, jeder von euch darf sich aber gerne seine eigene Meinung über Sinn und Zweck von Kapitalertragssteuern machen.

Was ist denn mit den Sozialabgaben?

Die Sozialabgaben, die wir als hart arbeitende Lohnochsen zahlen, fließen in verschiedene Töpfe. Unter anderem in die Rentenversicherung (braucht der Privatier nicht, da er idealerweise eine konstante Rente erwirtschaftet) und in die Arbeitslosenversicherung (der Privatier ist schon arbeitslos …). Bleiben noch die Kranken- und die Pflegeversicherung.

Oh mein Gott ja, was ist denn mit Krankenversicherungen??

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise könntest du dich privat versichern, wie Selbstständige oder Unternehmer es tun. Möchtest du dich lieber weiterhin gesetzlich versichern, ist auch dies möglich durch die freiwillige gesetzliche Versicherung. Hier gibt es den einen oder anderen Trick, dessen Erläuterungen ich aber einem Bloggerkollegen überlasse, der sich umfangreich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Leben ist teuer

Noch mehr schlechte Nachrichten? Naja, wir wollen ja realistisch sein und ermitteln, mit welchem Vermögen du deinem Hamsterrad endgültig Lebewohl sagen kannst. Der erste Faktor ist die gute alte Inflation. Gehen wir von einem durchschnittlichen Inflationssatz von 2% pro Jahr aus, sollten deine Kapitalerträge im gleichen Ausmaß wachsen, nämlich um 2% pro Jahr. Der zweite Faktor hat mit deinen steigenden Ansprüchen zu tun. Mit 35 fällt es dir vielleicht doch mal ein, dass du gerne eine Familie gründen würdest und dafür wäre doch ein Häuschen in der Vorstadt ganz nett … All diese Faktoren musst du als Privatier jetzt schon in deine Kalkulationen einpreisen, da du nicht damit rechnen kannst, alle 3 Jahre eine Gehaltserhöhung zu bekommen, wie ein Arbeitnehmer.

Aber wie viel Geld brauche ich denn nun?

Ja du hast recht, wir sind immer noch nicht beim Kern der Sache angekommen. Wie viel Vermögen musst du wie angelegt haben, um endlich kündigen zu können? Gehen wir davon aus, du hast dir Gedanken über all die oben aufgezählten Faktoren gemacht und bist zu einem Ergebnis gekommen. Deinem monatlich notwendigen Nettoeinkommen. Daraus bemisst sich die Höhe des notwendigen Bruttojahreseinkommens. Wie üblich ist die Antwort nach dem Vermögen diese: Es kommt darauf an! Die einfachste Rechnung wäre anzunehmen, dass du dein Vermögen zu durchschnittlich 5% anlegen kannst. Einen Teil davon legst du vielleicht in Staatsanleihen zu 1,75% an. Einen weiteren Teil in ausschüttungsstarke Aktien zu 4% Dividendenrendite. Ein wenig legst du in P2P Kredite an, die dir durchschnittlich 11% bringen. Den Rest in Immobilien oder Immobilienfonds, die 5% Mietrendite abgeben. Über die Wichtigkeit von Diversifikation muss ich dich wohl nicht mehr belehren.

Wenn du dir auf diese Weise also ein Portfolio mit ca. 5% Rendite aufgestellt hast, brauchst du nach Adam Riese 1 Million €, um einen jährlichen Bruttocashflow von 50.000 € zu erwirtschaften.

„Eine Millionen??“, wirst du nun schreien -„da komme ich doch NIE dran!“

Nicht verzagen. Wie schnell du tatsächlich in den Stand des Privatiers eintreten kannst hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Allen voran natürlich deinem Einkommen. Dies muss nicht ausschließlich auf deine Lohnarbeit beschränkt bleiben. Finde eine Möglichkeit, neben dem Arbeiten und Investieren auch weiteres passives Einkommen zu erwirtschaften, z.B. durch unternehmerische Tätigkeit oder Selbstständigkeit. Ein weiterer gewaltiger Faktor ist die Sparquote. Je mehr du von deinem Geld anlegen kannst, desto schneller bist du da, wo du sein willst, also spare fleißig, und investiere das gesparte Geld, damit es mit mehr Freunden zurückkommt. Nutze kreative Investitionsstrategien, um deine Investitionen zu hebeln, z.B. durch Finanzierungen beim Immobilienkauf.

Fazit

Jeder von uns kann Privatier werden und seinen Lebensunterhalt aus Mieten, Zinsen, Dividenden und passivem Einkommen bestreiten. Je höher dein Einkommen, deine Sparrate und die Rendite deiner Investitionen ist, desto schneller wirst du dein Ziel erreicht haben.

 

 

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