Understanding Warren Buffett – 7 Merkmale seiner Anlagestrategie

Understanding Warren Buffett – 7 Merkmale seiner Anlagestrategie

Okay, der Titel ist mal wieder ziemlich pathetisch formuliert. Nein ich denke nicht, dass ich Warren Buffet verstehe. Aber ich beginne gerade, die umfangreiche Literatur zu studieren, die es zu seiner Person und natürlich insbesondere zu seiner Anlagestrategie gibt. Wie Warren Buffets Anlagestrategie funktioniert – dem werde ich mich heute mit 7 Learnings nähern.

Lesen, lesen, lesen
Warren Buffet – Sein Weg, seine Methode, seine Strategie

Mein erster Schritt zu „Understanding Buffet“ ist die Lektüre des Buches „Warren Buffett – sein Weg, seine Methode, seine Strategie“ von Robert G. Hagstrom. Auf sehr anschauliche und menschliche Weise gibt der Autor einen Einblick in die Persönlichkeit des „Orakels von Omaha“, über die Menschen, die Buffet geprägt haben und die Theorien, die seinen Entscheidungen zugrunde liegen.

Zugleich liefert das Buch auch eine Menge weiterer Leseempfehlungen, allen voran die Standardwerke zur Aktienanalyse von Benjamin Graham: Intelligent Investieren und Wertpapieranalyse. Und das kann wohl die erste und eine der wichtigsten Lektionen sein, die Warren Buffet uns mitgibt: Seinem Beispiel zu folgen und so viel wie möglich zu lesen – nach eigenen Angaben kommt er auf bis zu 500 Seiten pro Tag.

1) Eine Aktie ist nicht einfach ein Stück Papier – du kaufst ein Unternehmen

… und so solltest du den Aktienkauf laut Warren Buffett auch behandeln. Prüfe eine Aktie mit der Sorgfalt, so, als hättest du vor, das komplette Unternehmen zu kaufen. Diese eine Aussage zieht bereits einen langen Rattenschwanz an weiteren Weisheiten hinter sich her. Denn eine solche Prüfung ist nicht in ein paar Minuten geschehen. Die Bilanzen des Unternehmens wollen geprüft werden, das Management wird auf seine Tauglichkeit getestet und das Marktpotenzial wird antizipiert. Wie genau das geht? Das versuche ich, in den weiteren Punkten auszuführen.

2) Investiere nur in ein Unternehmen, dessen Geschäft du verstehst

Ich gebe es zu; ich habe keine Ahnung, was in der Petrochemie so passiert und wie genau damit Geld verdient wird. Es interessiert mich auch nur peripher. Cool finde ich die Pharma- und Gesundheitsindustrie. Ich bin kein Experte aber ich könnte mich einlesen, weil es mir Spaß machen würde. Ich verstehe, wie Immobilienunternehmen und Immobilienverwalter ihr Geld verdienen, weil ich es mir angelesen habe und selbst in einem Immobilienunternehmen gearbeitet habe. Das ist eine Branche, in der ich mich auskenne.

Interessant ist in diesem Zusammenhang Warren Buffetts Meinung zum Thema Diversifikation. Er sieht in der Streuung eines Investmentportfolios keinen Sicherungsmechanismus gegenüber Verlusten sondern vielmehr ein Risiko – denn wer ist schon in der Lage, 10 oder mehr Branchen zu durchblicken? Seine Risikoabsicherung ist also Wissen – nicht Diversifikation.

„Diversification is a protection against ignorance. It makes very little sense for those who know what they’re doing.“ – Warren Buffett

3) Studiere die Kennzahlen deines Unternehmens – also die „harten“ Faktoren …

Von seinem Lehrmeister Benjamin Graham hat Warren Buffett die Analyse von Wertpapieren auf der Basis quantitativer Analysen gelernt. Quantitative Analysen berufen darauf, relevante Kennzahlen eines Unternehmens zu identifizieren, auszuwerten aus auf deren Basis Kaufentscheidungen zu treffen. Ich als jemand, der Susan Levermanns Buch über genau diesen Ansatz verschlungen hat (klare Kaufempfehlung an dieser Stelle!!) bin sehr empfänglich für rein mathematische Modelle, die es mir nicht erlauben, mir Aktien „schönzurechnen“.

Welche Kennzahlen empfiehlt Buffett nun also für die Analyse seiner Werte?

    • Eigenkapitalrendite – bei gleichzeitig geringer Verschuldung. Die angestrebte Eigenkapitalrendite hängt natürlich in großem Maße von der Branche ab, in der sich das Unternehmen bewegt. Hohe Schulden sind für Buffett ein Risikofaktor, der einem Unternehmen insbesondere in Krisenzeiten empfindlichen Schaden zufügen kann.
    • Cashflow – also die (hoffentlich positive) Gegenüberstellung von Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens. Insbesondere schaut Buffet jedoch darauf, was mit der positiven Liquidität gemacht wird. Wird der Gewinn an die Anteilseigner ausgeschüttet oder reinvestiert?
    • An der einen oder anderen Stelle, vor allem im Internet wird auch gerne vom KGV, dem Kurs-Gewinn-Verhältnis gesprochen. Auch Buffett und anderen Value-Investoren wird diese Kennzahl gerne in den Mund gelegt. Das KGV lässt aber keinen wie auch immer gearteten Schluss über die zukünftige Entwicklung einer Aktie zu und sagt auch nur bedingt etwas darüber aus, ob ein Unternehmen über- oder unterbewertet ist.

4) … aber auch die „weichen“ Faktoren!

Was zählt zu den weichen Faktoren? Ein für Buffett zentraler Punkt ist das Management. Dabei bewertet er insbesondere drei Faktoren; nämlich wie rational sich die Managerinnen und Manager des Unternehmens verhalten, ob sie ihre Aktionäre vollumfänglich und transparent informieren (auch über eigene Fehler und Missgeschicke) und ob sie sich standhaft gegenüber flüchtigen Trends in der Branche zeigen. Um die Arbeit des Managements beurteilen zu können, sollte man selber etwas von der Materie verstehen – ganz klar. Als übergeordnetes Leitmotiv kann aber dieses verwendet werden: Verhalten sich die Manager des Unternehmens so, als wäre sie selber Eigentümer? Sehen sie es als ihre oberste Pflicht an, die anderen Anteilseigner zufrieden zu stellen? Agieren sie langfristig, statt auf ihre jährlichen Boni fokussiert zu sein?

Ein anderer Faktor, den man leider nicht akkurat bemessen kann ist die Zukunftsaussicht des Marktes. Hier geht es darum, ob die Branche eines Unternehmens gute Zukunftsaussichten hat. Das vielgenannte Beispiel Buffetts für einen Markt ohne viel Zukunft wäre ein Hersteller von Kutscherpeitschen. Gute Zukunftsaussichten haben vielleicht Biotechnologie oder Unternehmen, die sich mit dem Thema künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren auseinandersetzen.

5) Was interessiert mich das Geschäft des letzten Jahres?

„Die Wirtschaft hält sich nicht an den Zyklus, in dem unsere Erde die Sonne umkreist.“ – Warren Buffett

Eigentlich logisch – und doch schauen sich viele Investoren nur allzu gerne die Bilanz des letzten Jahres an, um ein Unternehmen zu bewerten. Buffett selber wählt längerfristige Analysehorizonte – beginnend bei mindestens 5 Jahren.

6)  Geduld

Kaum ein Investor ist so bekannt für seine stoische Ruhe und Geduld wie Warren Buffett. Er schwört darauf, ein Unternehmen umfangreich zu durchleuchten, um dann zu einer Entscheidung zu kommen und dazu zu stehen. Diese Entscheidung behält er dann für viele Jahre, manchmal Jahrzehnte bei, wobei er kleinere Korrekturen und größere Krisen einfach aussitzt – wenn das Unternehmen weiterhin seinen hohen Qualitätsansprüchen gerecht wird.

7) Sei ängstlich, wenn andere gierig sind …

… und gierig, wenn andere ängstlich sind. Dies ist wohl eine der bekanntesten Weisheiten von Warren Buffett – und zugleich eine, die am häufigsten missachtet wird. Aktuell sind wir in einer Phase der Weltwirtschaft, in der die Menschen unglaublich gierig sind. Kredite sind so billig wie noch nie und wer sich seine unmittelbaren Konsumwünsche erfüllt hat, ist nun auf der Suche nach einem Weg, um sein Geld zu vermehren. Eine Folge davon beobachtet man insbesondere am Immobilienmarkt. So viele Menschen können sich einen Kredit leisten, dass die Immobilienpreise in die Höhe geschossen sind. Ja, ich gebe zu, auch ich bin der Versuchung erlegen und habe meine erste Immobilie gekauft (mehr dazu kannst du HIER lesen).

Dennoch gilt es aktuell, vorsichtig zu sein und jedes Investment ganz genau zu prüfen, um im Falle einer Zinserhöhung nicht ins Straucheln zu kommen – und, um im Falle einer Korrektur nach Herzenslust einkaufen zu können.

Habt ihr Aspekte von Warren Buffets Anlagestrategie für euch selber übernommen? Helfen sie euch, rationalere Entscheidungen zu treffen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.